Ein Grundstück mit Haus an einem märkischen See ist das Zentrum, zwölf Lebensläufe, Geschichten, Schicksale von den zwanziger Jahren des letzten Jahrhunderts bis heute ranken sich darum. Das Haus und seine Bewohner erleben die Weimarer Republik, das Dritte Reich, den Krieg und dessen Ende, die DDR, die Wende und die Zeit der Nachwende. Es treten auf: Ein Großbauer und seine vier Töchter, die Land an einen Architekten und an einen jüdischen Fabrikanten verkaufen. Ein Architekt, der das Land bebaut, das Grundstück der Juden in den dreißiger Jahren günstig erweben kann, aber nach dem Krieg überstürzt aus der DDR fliehen muß, weil er für den ersten Großauftrag seines Lebens Schrauben im Westen gekauft hat und ihm nun der Prozeß gemacht werden soll. Die jüdische Familie, deren einer Teil nach Südafrika auswandert, deren anderer Teil im Dritten Reich ermordet wird. Die Frau des Architekten, die während des Kriegsendes im Haus blieb, als die Russen kamen. Ein Rotarmist. Eine Schriftstellerin, die nach dem Krieg aus dem russischen Exil heimkehrte, die Deutsche Demokratische Republik mit aufbauen half und der das Haus eine neue Heimat wird – sie überläßt ihrem Arzt (der gleichzeitig Leibarzt eines hochrangigen Politikers ist) den Obstgarten, muß sich aber bald gegen diesen zur Wehr setzen, weil er mit Hilfe seiner Kontakte auch Ansprüche auf ihr Grundstück geltend macht. Eine Besucherin. Die im Bootshaus lebenden, von der Wende überraschten Unterpächter. Ein mit der Tochter der Schriftstellerin befreundeter Nachbarjunge und jene Tochter selbst, die nach der Wende in das leerstehende, von verschiedenen Parteien juristisch umkämpfte und langsam verfallende Haus unrechtmäßig eindringt und für einige Tage noch einmal dort wohnt.

Der Roman Heimsuchung von Jenny Erpenbeck ist in serbischer Übersetzung von Jan Krasni unter dem Titel Pohođenje beim Verlag Geopoetika, Belgrad, in rumänischer Übersetzung von Andrei Anastasescu unter dem Titel Pădurea Klarei beim Verlag Humanitas, Bukarest und in slowenischer Übersetzung von Tina Štrancar unter dem Titel Srečišče beim Verlag Litera, Maribor erschienen.