Im frühen Byzanz trafen ein weitgehend heidnisches Lebensgefühl und die strengen Normen der byzantinischen Kirche aufeinander. Alltagsleben, Kunst und Literatur standen noch in ungebrochener Kontinuität zur raffiniert-naiven Sinnenfreude des klassischen und nachklassischen Griechentums. Dagegen predigten die christlichen Kleriker Askese und die Abkehr von den Genüssen dieser Welt. Die Kluft war tief. Hielten etwa die Kirchenväter die Geschichte von Zeus, der sich in einem Goldregen in seine Geliebte Danae ergießt, für den Gipfel der Obszönität, so sahen die im Leben stehenden Zeitgenossen darin allenfalls ein treffendes Bild für die Geldgier der Kurtisanen. Der Autor beschreibt, auf welche Weise die Kräfte der Erotik den Widerstand der orthodoxen Kirche zu überwinden suchten, und er zeigt damit zugleich, wie eine Kultur im Lauf der Jahrhunderte den „spielerischen“ Ausgleich opponierender Bestrebungen bewältigte.