Die Großmutter hat einen großen Mund, weil sie ihren Schmerz schlucken muss. Die Schafe sind schwarz. Der Wolf bleibt unerwähnt. Er existiert aber trotzdem. Ervina Halilis Gedichte pulsieren in einer Melodie, zu der ein eigenwilliger Sandmann abwechselnd Vertrauen und Zweifel in die Augen der lauschenden Leser streut. Sie sind bevölkert von einer Reihe merkwürdiger Gestalten: ein in ein Cello verwandelter Mensch, schlafende Schwäne, schwangere Männer und andere Wesen. Eine »verkehrte Welt«, die ganz normal ist. Unaufgeregt und weit entfernt von Pamphleten und Fahnenträgern erschreibt sich Halili ein mögliches Vaterland, nicht aus Grund und Boden, sondern aus dem Himmel. Das einstige Jugoslawien ist für Halili eine Welt, die den Märchen nähersteht als der Realität. Ihre poetischen Bilderwelten wissen um diese Brüche und sprechen auf ihrer Suche nach Identität eine moderne europäische Sprache.