Im Sammelband Das Hemd rufen 33 Autorinnen und Autoren in Erzählungen, poetischen Texten und Essays den Ersten Weltkrieg in Erinnerung. „Bezugspunkt aller Texte ist das Hemd, das der Haut als Kleidungsstück am nächsten liegt und als Alltags-, Tauf- und Totenhemd Assoziationen ins Historische, Persönliche und Archetypische eröffnet. Die Texte der Autorinnen und Autoren, die aus den ehemaligen Kronländern der Habsburger-Monarchie, den Entente-Staaten und den Staaten der Mittelmächte stammen, berühren, indem sie von Erfahrungen und Schicksalen berichten, die in der Großen Geschichte keinen Platz haben“ (Kulturzentrum bei den Minoriten Graz). Das Hemd stellt für die vorliegende Publikation symbolisch eine Brücke dar – die Brücke zwischen zwei Städten: Graz und Sarajevo. Nach der Geburt Franz Ferdinands im Palais Khuenburg in der Grazer Sackstraße wurde er sicher fürsorglich in sein erstes Hemdchen gewickelt. In Sarajevo durchbohrte die tödliche Kugel aus der Pistole des Attentäters brutal sein letztes Hemd, das heute im Heeresgeschichtlichen Museum in Wien aufbewahrt wird. Das Hemd – ein Kleidungsstück, das in der Folge des Attentats, in Form des Uniformhemds, für Millionen von Menschen zum treuen Begleiter in den Tod wurde.