In diesen sechs durch die Stimme der Ich-Erzählerin lose miteinander verwobenen Erzählungen während der 1400 Tage dauernden Belagerung Sarajevos ist der Krieg nicht das eigentliche Thema, eher umreißt er, im Hintergrund lauernd und nur gelegentlich mit plötzlicher Wucht hereinbrechend, den gewaltsam verengten Horizont, vor dem sich das Erzählen entfaltet: ein filigranes Gewebe von Mikrogeschichten, die sich über Zeiten und Räume spannen, in dem fast spielerisch eines aufs andere verweist und doch alles offen bleibt.
Mit diesem Band, der 1996 in Sarajevo erschien und vom Bosnischen Schriftstellerverband als bestes Buch des Jahres gewürdigt wurde, gelingt Alma Lazarevska eine eigensinnige und gerade darum gültige Replik auf den Krieg: erzählend einen Anschein von Alltag aufrechtzuerhalten, das Nebensächliche, Unbeachtete in den Blick zu nehmen, sich der übermächtigen Logik entziehen, die die Welt in ein Drinnen und ein Draußen, in ein Hier und ein Dort teilt, sich hinauszufantasieren – wie jene Fotografie mit dem Bild der Ich-Erzählerin, die ihren Weg aus der belagerten Stadt ins New Yorker Museum für Moderne Kunst findet.