Auftritt TRADUKI – Bühne frei für Südosteuropa! In nahezu 20 Veranstaltungen präsentiert TRADUKI zur diesjährigen Leipziger Buchmesse Autor:innen aus Südosteuropa auf der Messe im traditionsreichen „Café Europa“ und erstmalig in der TRADUKI-Kafana. Unter dem programmatischen Titel „Zwischen den Zeilen – Zwischen den Zeiten“ widmet sich unser Programm den verborgenen Seiten und Momenten des Lebens, der Mehrdeutigkeit von Erfahrungen, Sichtweisen und der Vielfalt von Lebenswelten. Dabei sind der genaue Blick und der intensive Dialog unabdingbar. Die Autor:innen und ihre moderierenden Gastgeber:innen widmen sich den Brüchen, Sprüngen und Kehrtwendungen in den Lebenslinien von Menschen und Ländern. Das heißt auch, dass Kindheitserinnerungen neu interpretiert werden und damit bisweilen für die Vergangenheit Platz in der persönlichen und politischen Zukunft geschaffen werden muss. Das Leipziger TRADUKI-Programm 2023 will die Räume „dazwischen“ besser sichtbar und erfahrbar machen, denn gerade hier spielt sich oft Entscheidendes ab.

Dabei liegen für uns die Fragen nahe: Ist der Südosten Europas vielleicht selbst ein solches „Dazwischen“? Noch nicht hier – nicht mehr dort? Oder gar der Wartesaal Europas? Und man möchte rufen, ja wann kommt endlich Bewegung in die Geschichte (die Doppeldeutigkeit dieses Begriffes lassen wir hier absichtlich bestehen)?!

Unter unseren Autor:innen sind die letztjährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin Ana Marwan, die slowenisch und deutsch schreibt, der rumänische Autor und Träger des Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung von 2015, Mircea Cărtărescu, die Bosnierin Lana Bastašić, derzeit Stipendiatin im Berliner Künstlerprogramm des DAAD, und die Slowenische Lyrikerin Anja Zag Golob. Darüber hinaus bietet TRADUKI auch in 2023 zahlreiche literarische Neuentdeckungen.

TRADUKI ist längst nicht mehr nur Literatur, sondern auch Film und Musik. Das mit Bedacht kuratierte Filmprogramm der Balkan Film Week stellt, in Anlehnung an das diesjährige TRADUKI-Motto das Moment des „Verschwindens“ in sein Zentrum. Die insgesamt acht filmischen Geschichten handeln von Immigration und Emigration, vom Leben zwischen den Welten und vom langsamen Hinübergehen, Hinüberwachsen in eine neue Lebenswelt. Wie kann das – im Hier und im Dort und im Dazwischen – gelingen, ohne dass die einzelnen sich dabei selbst verlieren oder gar verschwinden? In den slawischen Sprachen haben Verben eine perfekte und eine imperfekte Form, mit denen man die Vollendung oder aber die Nichtvollendung eines Geschehens ausdrücken kann. Izginiti ist nicht gleich izginajti. Beides kann im Deutschen mit dem Wort verschwinden übersetzt werden, aber izginiti heißt: etwas ist verschwunden, nicht mehr da. Izginjati wiederum meint ein langsames, stetes, manchmal umso schmerzvolleres Versiegen: Ohne klaren Bruch und klare Grenzen ist hier die Vergangenheit der Gegenwart stets auf den Fersen.

Bleiben Sie auch TRADUKI auf den Fersen und besuchen Sie uns in Halle 4 / D407, im Café Suedbrause – bei Freunden und im Kino UT Connewitz, wo am Messesamstag abends wieder die legendäre Balkannacht stattfindet: Literatur aus den Ländern des Westlichen Balkan und Musik der in Novi Sad geborenen, heute in Wien lebenden Komponistin und Bratschistin Jelena Popržan.

TRADUKI kooperiert 2023 in vielfacher Weise auch mit dem Gastlandauftritt Österreichs, zu dessen programmatischem Auftritt unter dem Titel «meaoiswiamia» (Mehr als nur wir) wir uns gerne hinzugesellen. Dem Gastlandauftritt des TRADUKI-Partners Slowenien im Herbst 2023 auf der Frankfurter Buchmesse räumen wir in unserem Programm ebenfalls gebührend Platz ein.

Ihr TRADUKI-Team: Angelika, Barbara, Ljubica, Andrej, Marija, Radmila