Für den Titel des TRADUKI-Programms auf der Leipziger Buchmesse 2026 haben wir uns vom diesjährigen Fokusthema „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ inspirieren lassen, denn TRADUKI organisiert vier Veranstaltungen im Rahmen dieses Projektes. Aber auch bei den anderen TRADUKI-Veranstaltungen stellen wir aktuelle literarische Strömungen in Südosteuropa in den Mittelpunkt – von beindruckenden neuen Stimmen bis zu mehrfach preisgekrönten Autorinnen und Autoren. Worte sind wie Flüsse: Sie können verbinden, entzweien, mitreißen oder einen kalt lassen. Ein Fluss kann von Ufer zu Ufer, von Anlegestelle zu Anlegestelle, Bedeutung und Antlitz ändern. Ist er Endpunkt der eigenen Welt oder Sprungbrett für neue Erlebnisse? Schlusssatz oder Ankündigung?

Im diesjährigen TRADUKI-Programm bereisen wir mehrsprachige Wortlandschaften und spüren versteckte Geschichten auf. Zwischen persönlichen Katastrophen und politischen Umwälzungen, die oft Hand in Hand gehen, reisen wir dank übersetzter Neuerscheinungen von Lorina Bălteanu, Iulian Ciocan, Ilija Đurović, Ena Katarina Haler, Maja Iskra, Frosina Parmakovska, Slađana Nina Perković, Justine Toms, András Visky und Marina Vujčić von der Moldau über Rumänien nach Serbien, Kroatien und Bosnien. Wir machen halt in Nordmazedonien und Bulgarien und gehen auf einen Roadtrip durch Montenegro. Die Wirren des Krieges und politische Veränderungen haben viele Autorinnen und Autoren in Richtung Norden gebracht. Auf Deutsch schreiben Vernesa Berbo, Betty Boras und Jehona Kicaj über ihre Herkunftsländer, manchmal stark biografisch, ein andermal aus Distanz. Mit ihren Büchern gelingen Gabriela Adameșteanu, Slobodan Šnajder und Aleksandar Zograf epochale Momentaufnahmen – stiller, leiser, und doch mahnend ist die Lyrik von Ana Svetel und Robert Șerban – und nicht zuletzt im 250. Heft der manuskripte, wo die Frage gestellt wird, ob Poesie nach Srebrenica überhaupt noch möglich ist.

Auch für politische Debatten bietet TRADUKI Raum und widmet sich dem brisanten Thema der Studentenproteste in Serbien – mit Anastazija Govedarica Antanasijević, Dejan Atanacković und Michael Martens. Über Erinnerung als Form des Widerstands werden Dubravka Stojanović, Blerina Rogova Gaxha und Marko Dinić diskutieren.

Aus der Leipziger Buchmesse nicht mehr wegzudenken ist die legendäre Balkannacht im UT Connewitz. Die slowenische Rapperin Masayah wird mit subtilen Beats und ihrem ganz eigenen Flow das Publikum in ihren Bann ziehen. Fluid, geschmeidig und auf sanften Wogen wird TRADUKI so die diesjährige Edition ausklingen lassen.

Möge es für das Leipziger Messepublikum nicht das Ende, sondern erst der Anfang seiner Reise durch Südosteuropa sein.

Das TRADUKI-Team

Angelika Salvisberg, Barbara Anderlič, Marija Karaklajić, Andrej Lovšin, Radmila Radovanović, Anna Schlossbauer