Herkunft und Zugehörigkeit
Common Ground
Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020
Dass die Leipziger Buchmesse 2020 abgesagt werden musste, bedauern die Partner des Netzwerks TRADUKI sehr.
Als Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse hätten sie gerne unter dem Motto „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“ ihre Autor*innen, ihre Literatur und ihre Kultur vorgestellt. Doch, es war ohnehin auf längere Sicht geplant, dem deutschsprachigen Publikum die bislang noch wenig bekannte Literatur aus Südosteuropa näher zu bringen: So wird das auf drei Jahre angelegte Projekt als Schwerpunktregion 2020–2022 auch in den nächsten beiden Jahren auf der Leipziger Buchmesse eine wichtige Rolle spielen.
Seit dem 23. April 2020, dem Welttag des Buches, präsentiert der „Common Ground“ ausgewählte Gäste aus dem diesjährigen Programm „Herkunft und Zugehörigkeit“ beim „Literarischen Frühstück“. Autor*innen und Übersetzer*innen bringen persönliche Erfahrungen und Einschätzungen und natürlich eine ganze Menge Lesestoff aus Südosteuropa direkt an den Frühstückstisch.
Literarisches FrühstückDonnerstag, 12. März 2020
12:00–13:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Willkommen auf dem Common Ground!
Feierliche Standeröffnung: Common Ground
2020–2022
Halle 4, D507
13:30–14:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Wie übersetzt man Traurigkeit?
Der Autor Georgi Gospodinov und seine
Übersetze
Mitwirkende: Georgi Gospodinov, Ksenija
Banović, Borut Omerzel
Moderation: Antje Contius
Halle 4, D507
Der Autor Georgi Gospodinov und seine Übersetze
Moderation: Antje Contius
Für das deutschsprachige Publikum ist der Name Georgi Gospodinov schon lange kein Geheimtipp mehr. Dieser Meister der Melancholie, der auch die Register des Ironisch-Witzigen zu bedienen weiß und zugleich an Zärtlichkeit und Wärme nicht spart, begeistert das deutschsprachige Feuilleton seit Jahren. Wir kennen ihn als Verfasser des Gedichtbands Ein morgendliches Verbrechen, des erzählerischen Bravourstücks Natürlicher Roman und nicht zuletzt wegen seines international preisgekrönten Romans Physik der Schwermut. Nun liegt auch Lapidarium (eta Verlag 2017, Ü: Valeria Jäger, Henrike Schmidt, Alexander Sitzmann) vor, das erste Buch, das Gospodinov schrieb. In seiner Muttersprache Bulgarisch. Inzwischen ist sein Werk in über zwanzig Sprachen übersetzt. In allen Himmelsrichtungen des Kontinents erklingen seine Worte und berühren die Seele seiner LeserInnen. Auch an diesem frühen Nachmittag in Leipzig. Warum тъга auf Deutsch zu Schwermut wird und wie ich sind auf Kroatisch klingt, erfahren wir in einem Gespräch mit ihm und zweien seiner ÜbersetzerInnen.
Veranstalter: Traduki
14:00-15:00
Forum OstSüdOst
Halle 4, E501
China, Russland, Türkei:
Südosteuropa im Fokus externer Akteure
Mitwirkende: Jens Bastian, Florian Bieber,
Dubravka Stojanović
Moderation: Hansjörg Brey
Halle 4, E501
Südosteuropa im Fokus externer Akteure
Moderation: Hansjörg Brey
Moskaus Einfluss auf die Politik und die öffentliche Meinung in Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien und eine zunehmende Dominanz in der dortigen Energiewirtschaft wird von Beobachtern mit Besorgnis aufgenommen. Das chinesische Projekt einer „neuen Seidenstraße“, die sog. „Belt and Road Initiative“, ist das weltweit größte Infrastrukturprojekt und besonders aktiv in den Staaten Mittel- und Südosteuropas. Der Hafen von Piräus, Autobahnen, Brücken- und Eisenbahnprojekte sind sichtbare Zeichen eines wachsenden Einflusses Pekings in der Region. Die Türkei ist außer in der Wirtschaft auch präsent mit Entwicklungshilfe und Kultureinrichtungen mit islamischer Ausprägung. Wie weit reicht der Einfluss dieser Mächte? Sind sie eine Konkurrenz oder gar ein Ersatz für eine zunehmend unsichere Perspektive auf einen EU-Beitritt in den Staaten des westlichen Balkans? Über diese Fragen diskutieren einschlägige Experten mit AutorInnen aus der Region.
Veranstalter: Traduki, Südosteuropa Gesellschaft, ABDOS e.V.
15:00-16:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Von der unerwarteten Entdeckung des eigenen
Patriotismus
Sprache als neue Heimat
Mitwirkende: Darien Levani, Elvira Mujčić
Moderation: Tijan Sila
Halle 4, D507
Sprache als neue Heimat
Moderation: Tijan Sila
Interkulturelle oder „Migrantenliteratur“ in deutscher Sprache ist längst kein Novum mehr. Manche AutorInnen, deren Namen auf den ersten Blick fremdländisch anmuten, produzieren Texte und Bücher, die mit zum Besten gehören, was in deutscher Sprache erscheint. Doch wie sieht es in anderen Teilen Europas aus? Haben auch sie einen Tijan Sila, einen Saša Stanišić oder eine Marica Bodrožić? Darien Levani und Elvira Mujčić schreiben auf Italienisch und haben einen Sprachwechsel vollzogen. Ihre albanische und bosnische Erfahrung erklingt nun in einer Fremdsprache.
Was bedeutet es für Schriftsteller, in einer Sprache zu schreiben, die nicht ihre Muttersprache ist? Wie wird man von KollegInnen und KritikerInnen wahrgenommen? Kann man in der neu erworbenen Sprache auch eine neue Heimat finden?
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur der Republik Albanien
15:00-16:00
Café Europa
Halle 4, E401
Über Ebenen, Häfen und Revolutionen
Die Europäischen Kulturhauptstädte Novi Sad,
Rijeka, Timișoara
Mitwirkende: Vladimir Gvozden, Simona Neumann,
Lela Vujanić
Moderation: Annemarie Türk
Halle 4, E401
Die Europäischen Kulturhauptstädte Novi Sad, Rijeka, Timișoara
Moderation: Annemarie Türk
Parallel zur erstmaligen EU-Ratspräsidentschaft Kroatiens wird die größte kroatische Hafenstadt Rijeka Europäische Kulturhauptstadt 2020 sein. Unter dem Motto Hafen der Andersartigkeit will die Stadt ihren Mut, ihren Ehrgeiz, ihre Ungewöhnlichkeit und Progressivität präsentieren, in über 600 Veranstaltungen, die über das Jahr verteilt stattfinden werden. Die Vojvodina, eine Region in der Pannonischen Tiefebene, genießt den Ruf eines multikulturellen Milieus, in dem 26 Minderheiten leben. Deren Kapitale, die zukünftige Europäische Kulturhauptstadt Novi Sad, liegt an der Donau, und ihre Brücken sollen gemäß dem Motto Für neue Brücken ab 2021 Symbol für Regenbogen, Hoffnung, Freiheit und Liebe sein. Die Stadt Timișoara liegt im Banat, einer Region, die sich Rumänien mit den Nachbarstaaten Serbien und Ungarn teilt. Als drittgrößte Stadt Rumäniens wird sich Timișoara unter dem Motto Erhelle deine Stadt präsentieren. Denn der einstige Ausgangspunkt der rumänischen Revolution wird ebenfalls ab 2021 leuchten. Wie, das werden wir in diesem Gespräch erfahren.
Veranstalter: Traduki, Novi Sad 2021, Timișoara 2021
20:00-23:00
Kaiserbad
Karl-Heine-Straße 93
04229 Leipzig
Zugezogen. Feminin.
Von Brüchen, Umbrüchen, Umzügen und
Sich-Wiederfinden
Mitwirkende: Julijana Adamović, Lidija
Dimkovska, Elvira Mujčić, Katja Oskamp,
Tatiana Țîbuleac
Moderation: Tino Schlench, Hana Stojić
Musik: Barimatango
Karl-Heine-Straße 93
04229 Leipzig
Von Brüchen, Umbrüchen, Umzügen und Sich-Wiederfinden
Moderation: Tino Schlench, Hana Stojić
Musik: Barimatango
Brüche in der Kontinuität, egal ob in der eigenen Geschichte oder in der Weltgeschichte, werden zu jenen Punkten, für die wir immer empfindsam bleiben, solange wir nicht verhärten und den Weg des Zynismus einschlagen.
Über Brüche erzählen fünf Autorinnen an diesem Buchmesseabend in Leipzig. Aber auch über Umbrüche, Umzüge und Sich-Wiederfinden. Über Wildgänse in der Vojvodina, zum Beispiel, über eine moldawische Kindheit und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt. Darüber, was es bedeutet, aus einer speziellen bosnischen Stadt zu kommen und auf Italienisch zu schreiben, und was es heißt, wenn die Zähne der eigenen Tochter in drei verschiedenen Ländern wackeln, fallen und nachwachsen. Und über eine Schriftstellerin, die sich literarisch in der Rolle als Fußpflegerin in Berlin-Marzahn, der größten sozialistischen Plattenbausiedlung, wiederfindet. Ein Abend, der starke poetische Bilder und viel Wärme und Humor verspricht. Und es vielleicht schafft, die eigenen Brüche verheilen zu lassen, zumindest für die Dauer dieses Abends.
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur der Republik Kroatien, Ministerium für Kultur der Republik Nordmazedonien, Rumänisches Ministerium für Kultur
Freitag, 13.03.2020
11:00-12:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
So wachse das Gras über uns
In meiner Heimat ist alles gleich, nur ich bin
nicht mehr da
Mitwirkende: Augustin Cupșa, Bojan Krivokapić
Moderation: Ismar Hačam
Halle 4, D507
In meiner Heimat ist alles gleich, nur ich bin nicht mehr da
Moderation: Ismar Hačam
Mit dem Zitat „Es gibt nur Kindheit und Tod. Und nichts dazwischen …“ eröffnet Georgi Gospodinov seinen Roman Physik der Schwermut und illustriert damit, wie wichtig die Kindheit ist: als Motiv, zu dem ein Autor immer wieder zurückkehrt und aus dem er schöpft. So auch der rumänische Psychiater und Schriftsteller Augustin Cupșa, der in seinem letzten Roman So wachse das Gras über uns eine rumänische Kindheit in der Stadt Craiova beschreibt. Und Schicksale von Jungs, die Finken fangen und sie auf dem Schwarzmarkt nach Italien verkaufen. Der Frühling macht sich auf den Weg ist das Debüt von Bojan Krivokapić. Er erzählt von der Kindheit des schwulen Jungen Gregor, der gerne strickt, der Krankheit kennenlernt und dessen Familie genauso zerfällt wie sein Land. Beide Romane erfuhren in ihren jeweiligen Ursprungsländern Rumänien und Serbien viel Beachtung und fanden eine große Leserschaft.
Veranstalter: Traduki, Rumänisches Ministerium für Kultur, Ministerium für Kultur und Information der Republik Serbien
12:30-13:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Homo poeticus, trotz allem
Das literarische Vorbild Danilo Kiš
Mitwirkende: Marica Bodrožić, Marko Dinić,
Mark Thompson
Moderation: Katja Gasser
Halle 4, D507
Das literarische Vorbild Danilo Kiš
Moderation: Katja Gasser
Zum 30. Todestag des großen Schriftstellers Danilo Kiš erscheint sein bislang letzter unübersetzter Roman Psalm 44 in deutscher Sprache (Hanser Verlag 2019, Ü: Katharina Wolf-Grießhaber). Die Veröffentlichung dieses Textes aus dem Jahr 1962 mag spät erscheinen, zeugt aber auch von der anhaltenden Bedeutung des Werks von Danilo Kiš. Sein gesamtes Schaffen, das von einem lyrischen Grundton durchwoben ist und eine unverwechselbare Poetik aufweist, ist von weltliterarischem Rang. Literatur war für ihn ein künstliches Paradies im Sinne Baudelaires, in dem ein Schriftsteller zumindest für begrenzte Zeit verweilen kann. Sowohl seine Romane aus dem berühmten Familienzirkus als auch seine Polemiken und Essays, nicht zuletzt Ratschläge an einen jungen Schriftsteller, haben ihn überdauert.
Sein Einfluss auf nachfolgende Schriftstellergenerationen ist ungebrochen. Zweien der jüngeren AutorInnen, für die Danilo Kiš literarisches Vorbild war, gilt dieses Podium.
Veranstalter: Traduki
14:00-15:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Virgjineshë, Burrneshë, eingeschworene
Jungfrau
Transgender in Zeiten der Blutrache
Mitwirkende: Rene Karabash, Jeton Neziraj,
Michael Roes
Moderation: Miryam Schellbach
Halle 4, D507
Transgender in Zeiten der Blutrache
Moderation: Miryam Schellbach
Das auf dem Balkan existierende Phänomen der eingeschworenen Jungfrauen sorgt im Westen seit geraumer Zeit für Neugierde. Es handelt sich um Frauen, die, in patriarchalen Gesellschaften lebend, dauerhaft die Rolle eines Mannes einnehmen und ihre geschlechtliche und soziale Identität wechseln. Michael Roes‘ Herida Duro erzählt die Geschichte einer Virgjinesha, einer Schwurjungfrau, ihren Lebensweg im Albanien Enver Hoxhas und im italienischen Exil. Jeton Nezirajs Drama Sworn Virgin beleuchtet das Interesse der westlichen Gesellschaften an „exotischen“ Phänomenen, die Menschen verantwortungslos verschleißen und die Welt nur als einen Ort der Verdienstmöglichkeit betrachten. Unter dem Pseudonym Rene Karabash schreibt die bulgarische Regisseurin und Schauspielerin Irena Ivanova ihre Romane. Burrnesha erzählt die Geschichte von Bekia, eines Menschen jenseits der Geschlechter und der Worte „Sohn“ und „Tochter“, und von ihrer Liebe jenseits der Worte „Mann“ und „Frau“.
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur der Republik Bulgarien, Nationalbibliothek Kosovo
15:00 – 16:00
Café Europa
Halle 4, E401
Ja, wo bleiben sie denn?
Der EU-Beitrittsprozess nach dem französischen
Veto
Mitwirkende: Michael Roth, Robert
Alagjozovski, Dubravka Stojanović
Moderation: Danijel Majić
Halle 4, E401
Der EU-Beitrittsprozess nach dem französischen Veto
Moderation: Danijel Majić
Die Annäherung zwischen der Europäischen Union und dem westlichen Balkan verläuft nicht nur geradlinig. Die einst sozialistischen Länder haben in der Vergangenheit große Anstrengungen unternommen, um die Gesetzgebung und die Gegebenheiten in ihren Ländern langfristig zu verändern und den Normen der Europäischen Union anzupassen. Als vorbildliche Schüler galten Albanien und Nordmazedonien. Diese beiden Länder standen kurz vor der Aufnahme von Beitrittsverhandlungen. Unerwartet kam das französische Veto, das im Oktober letzten Jahres die Aussicht auf einen nächsten Schritt Richtung Union versperrte. Auf diese Aussicht aber bauten die demokratischen und proeuropäischen Kräfte in den Ländern. Nun haben sie vielleicht ihr stärkstes politisches Argument gegenüber ihren Wählern verloren. Welche Folgen hat dieses Veto für die Länder des Westbalkans? Wie soll es weitergehen? Ist der Traum vom gemeinsamen Europa für alle Beteiligten ausgeträumt?
Veranstalter: Traduki, Auswärtiges Amt
15:30-16:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Die Sanftmütigen. Zwei Jahre Nacht.
Zwei große Romane über die Liebe und den Krieg
Mitwirkende: Angel Igov, Damir Ovčina
Moderation: Jörg Plath
Halle 4, D507
Zwei große Romane über die Liebe und den Krieg
Moderation: Jörg Plath
Damir Ovčinas Zwei Jahre Nacht (Rowohlt Berlin 2019, Ü: Mascha Dabić) ist ein literarisch verarbeiteter Bericht aus der im Bosnienkrieg belagerten Stadt Sarajevo und dem einst berüchtigten Viertel Grbavica. Anhand der Geschichte eines Einzelnen veranschaulicht er die Schrecken, die den anderen – denen mit der falschen Zugehörigkeit – damals widerfuhren. Angel Igovs Die Sanftmütigen (eta Verlag 2019, Ü: Andreas Tretner) führt zurück in die bulgarische Geschichte und beschreibt, wie in den Schauprozessen nach Moskauer Vorbild von 1944/45, in der die bürgerliche Elite des Landes ausgemerzt wurde, ein junger Mann vom Mitläufer zum Kader des Regimes wurde.
Beide Bücher gewähren uns literarisch hochwertige Einblicke in die Geschichte Bosniens und Bulgariens und beleuchten zwischenmenschliche Beziehungen in menschenunwürdigen Zeiten.
Veranstalter: Traduki
19:30-23:00
Haus des Buches –
Literaturhaus Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig
Die guten Tage
Ein Casino-Abend im Literaturhaus Leipzig
Mitwirkende: Drago Jančar, Michael Martens,
Anna Ospelt, Ana Schnabl
Moderationen: Andreas Breitenstein, Katja
Gasser, Ismar Hačam, Isabelle Lehn
Musik und Lyrik: Vlado Kreslin und Miljana
Cunta, Gregor Podlogar, Lucija Stupica
Literaturhaus Leipzig
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig
Ein Casino-Abend im Literaturhaus Leipzig
Moderationen: Andreas Breitenstein, Katja Gasser, Ismar Hačam, Isabelle Lehn
Musik und Lyrik: Vlado Kreslin und Miljana Cunta, Gregor Podlogar, Lucija Stupica
Als Meisterwerk wurde Drago Jančars Roman Wenn die Liebe ruht (Zsolnay Verlag 2019, Ü: Daniela Kocmut) gefeiert, der am Beispiel einer Geschichte aus dem Zweiten Weltkrieg zeigt, dass Liebe eben nicht alles überwindet. Das Buch stand wochenlang auf den Bestenlisten im In- und Ausland. Im Brand der Welten (Zsolnay Verlag 2019) ist die erste Biografie des Literaturnobelpreisträgers Ivo Andrić in deutscher Sprache. Kenntnisreich und stilistisch brillant erzählt Michael Martens vom Leben des großen europäischen Schriftstellers. Anna Ospelt, Schriftstellerin und Übersetzerin aus Vaduz, debütiert in diesem Bücherfrühling mit Wurzelstudien (Limmat Verlag 2020). Anhand eines Baumes im Garten ihrer Großeltern macht sie sich auf die Suche nach der eigenen Identität. Ana Schnabl aus Slowenien gelingt mit Grün wie ich dich liebe grün (Folio Verlag 2020, Ü: Klaus Detlef Olof) ein raffinierter Erstling, der unsere Sehnsüchte, Begehrlichkeiten, Freuden und Ängste spiegelt.
Veranstalter: Traduki, Literaturhaus Leipzig, Kulturstiftung Liechtenstein, JAK – Slowenische Buchagentur
Samstag, 14.03.2020
11:00-12:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Esteban, wie ich dich liebe, Esteban
Über Krankheit und Schmerz
Mitwirkende: Lejla Kalamujić, Ana Schnabl
Moderation: Anna Götte
Halle 4, D507
Über Krankheit und Schmerz
Moderation: Anna Götte
Über die Kunst des Atmens, oder besser gesagt, darüber wie man wieder zu Atmen lernt, schreibt Lejla Kalamujić in Nennt mich Esteban (eta Verlag 2020, Ü: Marie-Luise Alpermann). Die Protagonistin ihrer Erzählungen ist gebeutelt durch den frühen Verlust der Mutter, durch Krieg und Krankheit, jedoch schöpft sie immer wieder Kraft. Aus dem Nichts. Grün, wie ich dich liebe grün (Folio Verlag 2020, Ü: Klaus Detlef Olof) ist Anna Schnabls Erstling, und verarbeitet literarisch das Thema der psychischen Krankheiten. Sie schreibt über die verstörende Unruhe einer Frau in der Warteschlange einer Apotheke, oder die junge Mutter, die um die Aufmerksamkeit ihres Mannes ringt, doch keine Liebe für ihr Neugeborenes empfindet.
Beide Schriftstellerinnen wagen es in die Abgründe des Daseins zu blicken, sich der Sehnsucht nach Zugehörigkeit auszusetzen, und in einer angestrengt glücklichen Welt drehen sie ihren Kopf vor dem Schmerz nicht weg.
Veranstalter: Traduki, JAK – Slowenische Buchagentur
12:00-13:00
Café Europa
Halle 4, E401
Postsozialismus
Der Fall der Berliner Mauer ermöglichte sowohl
eine reale als auch imaginäre Rückkehr nach
Europa.
Mitwirkende: Martin Müller, Dubravka
Stojanović
Moderation: Florian Kührer-Wielach
Halle 4, E401
Der Fall der Berliner Mauer ermöglichte sowohl eine reale als auch imaginäre Rückkehr nach Europa.
Moderation: Florian Kührer-Wielach
Die Wendezeit 1989–1991 ermöglichte „postsozialistischen“ Ländern sowohl eine reale als auch imaginäre Rückkehr nach Europa. Doch stagnierende Systeme in Verbindung mit Nationalismus, Autokratie und Populismus zeigen, dass die Hinterlassenschaften der alten Regime immer noch präsent sind. Wie beschreibt man die Konditionen, in denen sich Länder hinter dem ehemaligen Eisernen Vorhang befinden, ohne sie zu stigmatisieren oder den üblichen Codierungen zu verfallen? Wie definiert man den Übergang, die Transformation, die für viele Länder im Osten Europas zu einem Dauerzustand geworden ist? Florian Kührer-Wielach spricht mit der renommierten serbischen Historikerin und Philosophin Dubravka Stojanović und dem Geographen Martin Müller über das Framing Osteuropas und über Ambivalenzen in Definitionen und Interpretationen des historischen Erbes.
Veranstalter: Eine Veranstaltung der Bundeszentrale für politische Bildung in Kooperation mit Traduki und der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder).
12:30-13:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Im Brand der Welten
Ivo Andrić, ein europäisches Leben
Mitwirkende: Miranda Jakiša, Michael Martens,
Vladimir Pištalo
Moderation: Andreas Breitenstein
Halle 4, D507
Ivo Andrić, ein europäisches Leben
Moderation: Andreas Breitenstein
Er wurde als bosnischer Kroate geboren, arbeitete viele Jahre seines Lebens im jugoslawischen diplomatischen Dienst, war zu Hitlers Zeiten sogar eine Zeit lang in Berlin, und starb als serbischer Schriftsteller in Belgrad. Doch diese biografischen Fakten allein machen ihn nicht zu der außergewöhnlichen Persönlichkeit, die er war. Mit seinem sprachgewaltigen literarischen Opus erlangte er Weltruhm und ist bislang der einzige Schriftsteller aus Südosteuropa, der mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet wurde. Leben und Werk von Ivo Andrić sind sowohl in den Ländern des ehemaligen Jugoslawiens als auch international eine Quelle der Inspiration. Wir kennen den Diplomaten, den loyalen und regimetreuen emsigen Beamten. Aber wissen oder ahnen wir, wer der Mensch Ivo Andrić war, im Brand der Welten? Wer war der Mann, der der Welt die Geschichten über den Streik der Teppichweberinnen, des Wesirs Elefanten, der Brücke über die Drina oder Omer Pascha Latas hinterließ? Und, können wir ihn endlich jenseits seiner nationalen Dimensionen wahrnehmen, als den europäischen Literaten, der er ganz und gar war?
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur und Information der Republik Serbien
14:00-15:00
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Ein lyrischer Nachmittag
Drei Stimmen aus Südosteuropa
Mitwirkende: Jovica Ivanovski, Blerina Rogova
Gaxha, Dragana Tripković
Moderation: Sibylla Vričić Hausmann
Halle 4, D507
Drei Stimmen aus Südosteuropa
Moderation: Sibylla Vričić Hausmann
Dass Nordmazedonien vor Kurzem noch Mazedonien hieß, wissen wir vielleicht gerade noch. Doch was beschäftigt ein Individuum jenseits des gesellschaftlichen und politischen Alltags? Welche metaphysischen Gedanken kreisen um die Köpfe des Poeten Jovica Ivanovski und seiner LeserInnen? Zwischen dem Traum vom eigenen Land mit der harten realpolitischen Wirklichkeit konfrontiert, vom Krieg zerfurcht, ist das Kosovo. Aber was besingen seine Kinder? Welche Bilder tragen sie in ihren Köpfen und bringen sie zu Papier? Sind es lediglich die traumatischen Erfahrungen oder ist da vielleicht Platz für mehr? Montenegro wird in den westeuropäischen Ländern als wilde Schönheit beworben, als Land mit mächtigen Flüssen und gefährlichen Schluchten. Doch wissen wir auch um seine mediterrane Seite? Wissen wir, wie Verse über die Liebe und die Sterblichkeit einer Montenegrinerin klingen? Wie sich Verse aus Sand anhören?
Veranstalter: Traduki, Kulturministerium von Montenegro, Ministerium für Kultur der Republik Normazedonien, Nationalbibliothek Kosovo
15:30-16:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Von Glasgärten und Wildgänsen und den
entscheidenden drei Kilometern
Geschichten über Herkunft und Zugehörigkeit
Mitwirkende: Julijana Adamović, Nadine
Schneider, Tatiana Țîbuleac
Moderation: Annemarie Türk
Halle 4, D507
Geschichten über Herkunft und Zugehörigkeit
Moderation: Annemarie Türk
Drei Romane mit einem Ausgangspunkt: der Kindheit. Einem Ankerplatz der eigenen Herkunft. So erzählt uns Julijana Adamović in Wildgänse von der pannonischen Tiefebene und den Gegebenheiten in einer zwar multikulturellen Umgebung, in der aber Fremdenfeindlichkeit alltäglich ist. Von einer unglücklichen Familie, in der der Vater trinkt und die Mutter und die Oma sich nicht ausstehen können. Und vom Triumph der Fantasie eines Kindes. Tatiana Țîbuleac widmet sich in ihrem jüngsten Roman der Geschichte eines Mädchens aus dem moldawischen Chișinău, das aus einem Waisenheim adoptiert wird. In Der Glasgarten erfahren wir, wie es ist, zwischen zwei Sprachen – dem Rumänischen und dem Russischen – aufzuwachsen, wie politische Ereignisse ein Leben beeinflussen und wie eine Suche nach der eigenen Zugehörigkeit aussehen kann. Nur Drei Kilometer trennen die drei Jugendlichen von der Grenze und der Freiheit. In ihrem Debüt erzählt Nadine Schneider von schweren Entscheidungen in Zeiten der Liebe und davon, was es braucht, um zu bleiben – oder was es bedeutet, sein Land zu verlassen, für sich und die, die man zurücklässt.
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur der Republik Kroatien, Rumänisches Ministerium für Kultur
20:00-23:00
UT Connewitz
Wolfgang-Heinze-Straße 12ª
04277 Leipzig Süd
Die Balkannacht
Common Ground – Literatur aus Südosteuropa
Mit: Elena Alexieva, Mircea Cărtărescu, Damir
Karakaš, Tom Kuka, Vladimir Pištalo, Renata
Salecl, Ognjen Spahić
Moderation: Aylin Rieger, Hana Stojić
Film: Die blinde Vayscha
Musik: Lajkó Félix Trió
Wolfgang-Heinze-Straße 12ª
04277 Leipzig Süd
Common Ground – Literatur aus Südosteuropa
Moderation: Aylin Rieger, Hana Stojić
Film: Die blinde Vayscha
Musik: Lajkó Félix Trió
Es ist wieder so weit! Der Balkan ist zu Gast in Leipzig.
Mit Literatur, Musik und Film vom Feinsten.
Damir Karakaš wird aus dem Leben eines kroatischen Bauernjungen erzählen, das geprägt ist vom Kühehüten, von Aberglauben und Hexerei, von verdrehten Seelen und Tierärzten, die Menschen behandeln. Elena Alexieva wagt es in ihrem Roman Heiliger Wolf, mit furchtlosem Blick in die tiefen metaphysischen Schichten der menschlichen Existenz zu schauen, und vermittelt die Geschichte einer bulgarischen Göttin. Der Serbe Vladimir Pištalo lässt uns an einer imaginierten Brieffreundschaft mit dem Nobelpreisträger Ivo Andrić teilhaben. Wir werden erfahren, warum sich der albanische Schriftsteller Enkel Demi entschied, seine erfolgreichen Romane unter dem Pseudonym Tom Kuka zu veröffentlichen. Wie lange man braucht, um einen Familienroman zu schreiben, berichtet Ognjen Spahić, warum es eine Zumutung ist, sich andauernd entscheiden zu müssen, erklärt uns Renata Salecl, und der große Mircea Cărtărescu wird von einem nicht gelebten Leben als Rumänischlehrer erzählen.
Außerdem zeigen wir den animierten Kurzfilm Die blinde Vayscha, der nach einer literarischen Vorlage von Georgi Gospodinov entstand, und im Jahr 2017 für einen Oscar nominiert war
Für lodernde Stimmung wird der “Teufelsgeiger” aus der Vojvodina, Félix Lajkó, mit seinem Trio sorgen.
Diesen Abend sollten Sie sich nicht entgehen lassen!
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur der Republik Albanien, Ministerium für Kultur der Republik Bulgarien, Ministerium für Kultur der Republik Kroatien, Kulturministerium von Montenegro, Ministerium für Kultur und Information der Republik Serbien, JAK – Slowenische Buchagentur
Sonntag, 15.03.2020
12:30-13:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Partisanenpost
Ein Comic aus Südosteuropa
Mitwirkende: Ivan Petrović, Aleksandar Zograf
Moderation: Axel Halling
Halle 4, D507
Ein Comic aus Südosteuropa
Moderation: Axel Halling
In dieser Sammlung von 30 Comic-Reportagen führt uns Aleksandar Zograf ins ehemalige Königreich Jugoslawien während der deutschen Besatzung 1941–44. Zograf recherchierte über Menschen im Widerstand und schuf Zeichnungen anhand von Briefen, Fotos, Tagebüchern, Notizbüchern, Zeitschriften- und Zeitungsartikeln. Die einzelnen Episoden dokumentieren unter anderem die letzten Tage von Hilda Dajč, deren Briefe bewegende Einblicke in die Lebensbedingungen im KZ Sajmište (Semlin) geben, den ungarischen Dichter Miklós Radnóti und sein letztes Notizbuch über den Alltag im Lager Bor oder den Comiczeichner Veljko Kockar, der 1944 unschuldig als Verräter hingerichtet wurde. Partisanenpost zeigt die Erfolge, aber auch die Fehler und Niederlagen des antifaschistischen Widerstands. So liefert der Band eine eindringliche Sammlung von Begebenheiten und Schicksalen, eine Dokumentation des Schreckens, dem die Bevölkerung Jugoslawiens im Zweiten Weltkrieg ausgesetzt war. Ergänzt wird Partisanenpost durch einen Essay von Aleksandar Zograf über seinen Großvater Petar Pavkov, der während des Krieges aktives Mitglied der kommunistischen Widerstandsbewegung war.
Veranstalter: Traduki, Ministerium für Kultur in Informationen der Republik Serbien
14:00-15:30
Common Ground – Traduki Forum
Halle 4, D507
Das letzte Abenteuer von Kaktus Bata
Ein Film zum Verhältnis von Künstler und Krieg
Filmvorführung
Halle 4, D507
Ein Film zum Verhältnis von Künstler und Krieg
Der bekannte Cartoonist Aleksandar Zograf entdeckt ein ungewöhnliches Comicbuch aus dem Zweiten Weltkrieg. Der Held des Comics ist Kaktus Bata – ein kleiner Kaktus, der in seinem Topf gefangen ist. Fasziniert untersucht Zograf das Leben des Schöpfers von Kaktus Bata – des wenig bekannten Künstlers Veljko Kockar. Bald entdeckt er, dass Kockar kurz nach der Befreiung Belgrads im Jahr 1944 verhaftet wurde. Er wurde als Gestapo-Agent angeklagt und hingerichtet. Zografs Untersuchung enthüllt eine weitaus komplexere Geschichte: Kockars Identität und künstlerische Werke wurden gestohlen, er hat möglicherweise eine Affäre mit der Freundin eines Guerillasoldaten, und er hat antikommunistische Propaganda für die Nazis gemacht. Während er die Geschichte erforscht und die Beweisfetzen 70 Jahre nach dem Ereignis zusammenfügt, sieht sich Zograf mit seinen eigenen persönlichen und künstlerischen Problemen konfrontiert: Warum haben diese kleinen Zeichnungen eine solche Kraft, Trost zu spenden, aber auch zu Gewalt zu führen?
Veranstalter: Traduki
Herkunft und Zugehörigkeit - Eine Einladung
Im Jahr 1980, bereits im französischen Exil lebend, schrieb Danilo Kiš seinen Essay „Homo poeticus, trotz allem“. Dieser politisch erfahrene Mensch wehrte sich gegen die ihm in der westlichen Welt zugeeignete Rolle des ausschließlich politischen Menschen und hielt fest: „Und vor allem dürfen wir nicht jenem abgedroschenen Mythos aufsitzen, wonach wir Jugos und übrigen Ungarn der Literatur zu entsagen, wonach wir einzig mit unseren politisch-exotisch-kommunardischen Themen zu unterhalten haben, wonach wir bedingt nur ein homo politicus sein dürfen, immer und überall, und wonach Poesie und Form, Spiel und Spielerei, metaphysische Obsession (Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?) und Liebesschwärmereien nicht unsere Sache sind, wonach auch Sonnenuntergänge uns nichts angehen, weil sie den literatur- und poesiebeflissenen Touristen vorbehalten sind, die eo ipso das Recht haben, die Sonnenuntergänge voll Bewunderung und ruhigen Gewissens anzuschauen.“
Nach wie vor erfahren wir das meiste über die südosteuropäischen Länder aus den Massenmedien, und dort findet sich selten etwas Schönes und Zartes. Negative und angstschürende Schlagzeilen sind und waren immer gefragt, für das Stille und Alltägliche bleibt selten Platz. Mag das auch die Natur von Berichterstattung und Journalismus sein, sie trägt nicht dazu bei, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten ohne Vorbehalte aufeinander zugehen und einander wirklich kennenlernen.
Zum Glück gibt es die Literatur!
Heute, in Zeiten des Friedens – sowohl für die südosteuropäischen als auch für die deutschsprachigen Länder – spricht alles für ein gutes Momentum, einander auf Augenhöhe zu begegnen (with a little help of some friends). Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen in den Gesellschaften ist und bleibt dabei eine europäische Konstante. Und doch oder besser gerade deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeit des Friedens zu nutzen und genauer hinzusehen: Was haben wir gemeinsam? Was ist unser Common Ground? Der Common Ground, den die Länder im Südosten Europas miteinander teilen, und auch der, der dem Südosten und dem deutschsprachigen Teil Europas gemein ist.
Das Leben eines Menschen bewegt sich zwischen seiner Herkunft und dem Versuch, im Laufe der Jahre eine Zugehörigkeit zu finden, ähnlich wie ein Metronom und kann darin einen Rhythmus finden.
Wir werden in einer Stadt geboren, leben später in einer anderen. Wir ziehen um und versuchen, in neuen Ländern und neuen Sprachen Fuß zu fassen. Wir versuchen, unsere Herkunft zu verstehen und anzunehmen. Wir versuchen erwachsen zu werden und eine selbstbestimmte Zugehörigkeit zu finden. Wir werden krank, leiden an Herzrhythmusstörungen, Depressionen und Ängsten. Wir tragen Masken. Wir lieben. Und wir betrügen. Wir glauben. Wir erfahren Enttäuschung und Verrat. Wir bekommen Kinder. Wir erleben, wie politische Systeme zusammenbrechen und wie Werte über Nacht wertlos werden. Wir sind Täter und Opfer. Wir geben uns unseren Fantasien hin, als Rettung vor dem grauen Alltag. Oder weil wir hoffen, dass die Bilder der Fantasie die Bilder des Schreckens übertrumpfen können. Wir können Revolutionen beginnen. Wir erleben Schmerz, erfahren Brüche und versuchen wieder eins zu werden. Wir sind füreinander da. Wir schreiben (engagierte) Literatur mit dem stillen Wunsch, unseren Beitrag zu leisten, dass den Menschen, die uns auf der Erde folgen werden, leidvolle Erfahrungen in Zukunft erspart bleiben. Oder, dass zumindest ein anderer unseren Schmerz und unsere Trauer bezeugt und wir das Gefühl haben, es war nicht vergeblich. Und wir finden in der Literatur das Paradies, aus dem wir meinen, vertrieben worden zu sein.
Die Literatur kann einer der Wege sein, uns, zumindest für die Dauer des Schreibens und des Lesens, wieder heil werden zu lassen. Wenn man von den ungewohnten, manchmal schwierig anmutenden Namen mit den diakritischen Zeichen absieht, wird Ihnen alles, was Sie hören, bekannt vorkommen. Manchmal ist nicht einmal ein zweiter Blick notwendig.
Im Programm, das sich in den nächsten vier Messetagen vor Ihnen und uns entfalten wird, liegt die Einladung, genauer hinzuschauen. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Einladung annehmen.
Hana Stojić
Kuratorin des Common Ground Programms
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Credits: Ekko von Schwichow
Unsere Veranstaltungsorte
Auf dem Leipziger Messegelände finden Sie das Common Ground – Traduki Forum in Halle 4, D 507. Vereinzelte Veranstaltungen auf dem Messegelände finden an anderen Ständen statt, u.a. dem Café Europa. Genauere Informationen hierzu entnehmen Sie bitte dem Programm.
Orientierungshilfe: Die Hallen im Überblick