Dass die diesjährige Leipziger Buchmesse abgesagt werden musste, bedauern die Partner des Netzwerks TRADUKI sehr. Mehr Info hier.

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Unter diesem programmatischen Titel präsentiert sich in den Jahren 2020 bis 2022 auf der Leipziger Buchmesse die Literatur aus Südosteuropa – unter dem gemeinsamen Dach von Traduki. Aus ganz Südosteuropa reisen Autor*innen und Übersetzer*innen nach Leipzig, um an einem großen gemeinsamen Bücherstand, dem „Common Ground“, ihre Texte zu präsentieren. So unterschiedlich die Länder, ihre Sprachen, ihre Religionen und Geschichten auch sein mögen – im Projekt „Common Ground“ stellen alle Partner das Verbindende in den Vordergrund. Mit einem dichten Veranstaltungsprogramm aus Lesungen, gesellschaftspolitischen Diskussionen, Filmen und Musik stellt Südosteuropa seine spannende Literatur- und Kulturszene dem deutschsprachigen Publikum vor. Auch die Fachwelt, deutschsprachige Verlage, Literaturveranstalter*innen, Journalist*innen, Übersetzer*innen und Buchhändler*innen werden vieles zu entdecken haben. Es ist das erste so große und ambitionierte Projekt von Traduki seit seiner Gründung 2008.

Literarisches Frühstück mit Gästen aus Südosteuropa

Ab dem 23. April, dem Welttag des Buches, präsentiert „Common Ground“, die Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020-2022, Literatur aus Südosteuropa virtuell

Die Corona-Krise hat das öffentliche Leben zum Erliegen gebracht, doch Literatur kennt keine Quarantäne. Gerade jetzt will die Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse 2020–2022 „Common Ground. Literatur aus Südosteuropa“ einen kulturellen Beitrag leisten: Ab dem 23. April, dem Welttag des Buches, bringen ausgewählte Autorinnen und Autoren beim „Literarischen Frühstück“ persönliche Erfahrungen und Einschätzungen und natürlich eine ganze Menge Lesestoff aus Südosteuropa in die heimischen Wohnzimmer. Jeden Donnerstag um 8:30 Uhr wird ein neuer Beitrag über Facebook, YouTube und Instagram TV veröffentlicht.

Die Reihe startet mit der Schriftstellerin Marica Bodrožić (u.a. Das Wasser unserer Träume, Mein weißer Frieden) und einer Hommage an Danilo Kiš, einen der bedeutendsten europäischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Die in Dalmatien geborene und heute in Berlin lebende Autorin stellt Kiš, den „Homo poeticus“, aus ihrer ganz persönlichen Sicht vor und erzählt, dass seine Bücher für sie wie ein Weckruf für ihr eigenes „Aufwachen in der Sprache“ waren. Seit 20 Jahren prägen sie ihr literarisches Werk. Aus einem ihrer Lieblingsbücher von Kiš – Anatomiestunde (Hanser Literaturverlage) – liest sie eine Passage vor, die zeigt, wie der Autor schon früh den Nationalismus als das Übel der kommenden Zeit gesehen hat. Am 30. April ist Andreas Tretner, der in diesem Jahr für den Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Übersetzung nominiert war, zu Gast. In den kommenden Wochen können sich Literaturinteressierte auf weitere virtuelle Begegnungen etwa mit Ana Schnabl, Lejla Kalamujić oder dem Comiczeichner und Autor Aleksandar Zograf freuen.

„Das Lesen geht weiter!“, verspricht Antje Contius von der S. Fischer Stiftung, die die Geschäftsstelle des Übersetzungsnetzwerks TRADUKI und das Projekt „Common Ground“ leitet. „Auch in Zeiten wie diesen kann Literatur dabei helfen, Abstand zum Alltag und zugleich ein besseres Verständnis der Lage zu gewinnen.“ Häufig entstünden daraus erstaunlich tragfähige Brücken in bis dahin ungekannte Gefilde. Brücken zu bauen durch Texte und Gespräche ist auch das Ziel des ‚Common Ground‘, der den Südosten Europas als vielstimmige und facettenreiche Schwerpunktregion der Leipziger Buchmesse drei Jahre lang, also auch noch in 2021 und 2022, präsentieren wird.

Literatur aus Südosteuropa in deutscher Sprache
Immer mehr spannenden Lesestoff aus Südosteuropa gibt es in deutscher Sprache. Etwa den preisgekrönten Roman Wenn die Liebe ruht von Drago Jančar. Der slowenische Romancier, Erzähler und Essayist erhält in diesem Jahr den mit 25.000 Euro dotierten Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur. Immer wieder und zeitlos lesenswert sind natürlich auch die Bücher von Ivo Andrić. Zu seinen berühmtesten Werken zählen die Romane Wesire und Konsuln (1945) und Die Brücke über die Drina (1945), die er während der Belagerung Belgrads durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg schrieb.

Auch Bücher von vielversprechenden jungen Autorinnen und Autoren aus Südosteuropa sind mit Hilfe des Übersetzer-Netzwerks TRADUKI bereits ins Deutsche übersetzt worden. Gerade erschienen ist der Erzählband Nennt mich Esteban von Lejla Kalamujić, der sich wie ein fragmentarischer Roman liest. Seine Szenen umkreisen den Schmerz der Protagonistin über den zu frühen Tod der Mutter. Sie wächst mit den vier Großeltern und einem trinkenden Vater auf, bis die Belagerung Sarajevos die Familie teilt. Nicht nur Tragik und Verlust prägen diese Erzählungen der aus Bosnien und Herzegowina stammenden Autorin, sondern auch starke Momente der Absurdität und Groteske.

„Wer in diesen Zeiten Bücher liest, kann auch den durch die Krise stark betroffenen lokalen Buchhandel unterstützen – und nicht zuletzt die kleinen Verlage und die Autorinnen und Autoren“, so Antje Contius. Viele Buchhandlungen nehmen per Mail Bestellungen entgegen und liefern die Bücher im Umfeld frei Haus.

Die Beiträge des Literarischen Frühstücks finden Sie ab dem 23. April bei YouTube und Facebook.

Programm:

  • 23. April 2020, Marica Bodrožić
  • 30. April 2020, Andreas Tretner
  • 7. Mai 2020, Aleksandar Zograf & Axel Halling (Englisch)
  • 14. Mai 2020, Muskalisches Frühstück mit der Band Barimatango
  • 21. Mai 2020, Marko Dinić
  • 04. Juni 2020, Lidija Dimkovska & Tino Schlench (Englisch)
  • 11. Juni 2020, Damir Ovčina & Mascha Dabic
  • 18. Juni 2020, Lejla Kalamujić & Ismar Hačam
  • 25. Juni 2020, Elvira Mujičić & Tijan Sila

Common Ground 2020 Programm

Herkunft und Zugehörigkeit - Eine Einladung

Im Jahr 1980, bereits im französischen Exil lebend, schrieb Danilo Kiš seinen Essay „Homo poeticus, trotz allem“. Dieser politisch erfahrene Mensch wehrte sich gegen die ihm in der westlichen Welt zugeeignete Rolle des ausschließlich politischen Menschen und hielt fest: „Und vor allem dürfen wir nicht jenem abgedroschenen Mythos aufsitzen, wonach wir Jugos und übrigen Ungarn der Literatur zu entsagen, wonach wir einzig mit unseren politisch-exotisch-kommunardischen Themen zu unterhalten haben, wonach wir bedingt nur ein homo politicus sein dürfen, immer und überall, und wonach Poesie und Form, Spiel und Spielerei, metaphysische Obsession (Wer bin ich? Woher komme ich? Wohin gehe ich?) und Liebesschwärmereien nicht unsere Sache sind, wonach auch Sonnenuntergänge uns nichts angehen, weil sie den literatur- und poesiebeflissenen Touristen vorbehalten sind, die eo ipso das Recht haben, die Sonnenuntergänge voll Bewunderung und ruhigen Gewissens anzuschauen.“

Nach wie vor erfahren wir das meiste über die südosteuropäischen Länder aus den Massenmedien, und dort findet sich selten etwas Schönes und Zartes. Negative und angstschürende Schlagzeilen sind und waren immer gefragt, für das Stille und Alltägliche bleibt selten Platz. Mag das auch die Natur von Berichterstattung und Journalismus sein, sie trägt nicht dazu bei, dass Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und Lebenswelten ohne Vorbehalte aufeinander zugehen und einander wirklich kennenlernen.

Zum Glück gibt es die Literatur!

Heute, in Zeiten des Friedens – sowohl für die südosteuropäischen als auch für die deutschsprachigen Länder – spricht alles für ein gutes Momentum, einander auf Augenhöhe zu begegnen (with a little help of some friends). Die Ungleichzeitigkeit des Gleichzeitigen in den Gesellschaften ist und bleibt dabei eine europäische Konstante. Und doch oder besser gerade deshalb haben wir uns entschlossen, diese Zeit des Friedens zu nutzen und genauer hinzusehen: Was haben wir gemeinsam? Was ist unser Common Ground? Der Common Ground, den die Länder im Südosten Europas miteinander teilen, und auch der, der dem Südosten und dem deutschsprachigen Teil Europas gemein ist.

Das Leben eines Menschen bewegt sich zwischen seiner Herkunft und dem Versuch, im Laufe der Jahre eine Zugehörigkeit zu finden, ähnlich wie ein Metronom und kann darin einen Rhythmus finden.

Wir werden in einer Stadt geboren, leben später in einer anderen. Wir ziehen um und versuchen, in neuen Ländern und neuen Sprachen Fuß zu fassen. Wir versuchen, unsere Herkunft zu verstehen und anzunehmen. Wir versuchen erwachsen zu werden und eine selbstbestimmte Zugehörigkeit zu finden. Wir werden krank, leiden an Herzrhythmusstörungen, Depressionen und Ängsten. Wir tragen Masken. Wir lieben. Und wir betrügen. Wir glauben. Wir erfahren Enttäuschung und Verrat. Wir bekommen Kinder. Wir erleben, wie politische Systeme zusammenbrechen und wie Werte über Nacht wertlos werden. Wir sind Täter und Opfer. Wir geben uns unseren Fantasien hin, als Rettung vor dem grauen Alltag. Oder weil wir hoffen, dass die Bilder der Fantasie die Bilder des Schreckens übertrumpfen können. Wir können Revolutionen beginnen. Wir erleben Schmerz, erfahren Brüche und versuchen wieder eins zu werden. Wir sind füreinander da. Wir schreiben (engagierte) Literatur mit dem stillen Wunsch, unseren Beitrag zu leisten, dass den Menschen, die uns auf der Erde folgen werden, leidvolle Erfahrungen in Zukunft erspart bleiben. Oder, dass zumindest ein anderer unseren Schmerz und unsere Trauer bezeugt und wir das Gefühl haben, es war nicht vergeblich. Und wir finden in der Literatur das Paradies, aus dem wir meinen, vertrieben worden zu sein.

Die Literatur kann einer der Wege sein, uns, zumindest für die Dauer des Schreibens und des Lesens, wieder heil werden zu lassen.

Wenn man von den ungewohnten, manchmal schwierig anmutenden Namen mit den diakritischen Zeichen absieht, wird Ihnen alles, was Sie hören, bekannt vorkommen. Manchmal ist nicht einmal ein zweiter Blick notwendig.

Im Programm, das sich in den nächsten vier Messetagen vor Ihnen und uns entfalten wird, liegt die Einladung, genauer hinzuschauen. Wir freuen uns, wenn Sie unsere Einladung annehmen.

Hana Stojić, S. Fischer Stiftung, Kuratorin des Common Ground Programms 2020

Balkan Film Week

Die Balkan Film Week im Vorfeld der diesjährigen Leipziger Buchmesse versteht sich als Auftakt des Projektes Common Ground: Literatur aus Südosteuropa, das 2020-2022 auf den Leipziger Buchmessen den Westbalkan als Schwerpunktregion vorstellen wird. Konzipiert von Traduki und in Zusammenarbeit mit der Leipziger Buchmesse, will Common Ground über drei Jahre die Präsenz südosteuropäischer Autorinnen und Autoren und ihrer faszinierenden und vielfältigen Literatur im deutschsprachigen Raum befördern. Das diesjährige übergreifende Thema lautet Herkunft und Zugehörigkeit. Und so geht es auch in den acht Filmen, die auf der 2. Balkan Film Week vorgestellt werden, um das ewige Sein oder Nichtsein, um die und um uns. Ein anregender Vorgeschmack auf die Buchmesse 2020.

Common Ground: Herkunft und Zugehörigkeit

Das Gefühl und das Wissen um die eigene Zugehörigkeit gehören zu den verblüffendsten Erfahrungen im Leben. Zwar scheint Zugehörigkeit eine persönliche Angelegenheit zu sein, doch das Verb gehören verlangt a priori nach einem dazu. Zu wissen, dass man dazugehört, beispielsweise zu einer Gruppe, deren Werte und Merkmale, deren gemeinsame Erlebnisse man teilt, erzeugt ein Gefühl der Akzeptanz; als Subjekt von bestimmbarer Herkunft wird man anerkannt. In dieser Formel übernimmt die Herkunft die Rolle einer „Quelle“, sie ist Schauplatz der eigenen Zugehörigkeit – zu Familie, Nationalität, Land, Gesellschaft und Kultur. Zugehörigkeit kann das starke Gefühl vermitteln, am rechten Platz und dabei anerkannt zu sein, gleichzeitig können dadurch aber auch die immerwährenden Fragen nach der eigenen Identität aufkommen und, im besten Falle, produktive Debatten losgetreten werden. Nicht ohne Grund war, historisch gesehen, die Idee der Zugehörigkeit eigentlich immer mit Begriffen wie Traditionalität, Strenge und Rigidität verwoben.

In diesem gedanklichen Gewebe sind „Wurzeln“ eine oft wiederholte Metapher: Bilder von fruchtbarem Boden werden heraufbeschworen, verleiten zum Nachdenken über lineare Lebensgeschichten, über Beständigkeit und: Zugehörigkeit. Dieses Bild aber konkurriert mit der Anschauung, Identität sei ein fluides, geschmeidiges Wesen, das sich durch die Einflüsse von „außen“ immer wieder neu erfindet. Letztendlich wird Zugehörigkeit ein Leben lang im Zusammenleben mit verschiedensten Personen, zu diversen Zeitpunkten, an unterschiedlichen Orten, mit dem sich wandelnden Ich immer wieder aufs Neue verhandelt.

Das Programm der zweiten Leipziger Balkan Film Week zeigt Filme, die dem diesjährigen Thema Common Ground: Herkunft und Zugehörigkeit folgen und vor dem Hintergrund des vielschichtigen geografischen Raumes der Balkanregion komplexe Geschichten um und über Identität zeigen. Während der vier Filmtage ist das Publikum dazu eingeladen, in zahlreiche Welten einzutauchen, die das Thema Zugehörigkeit aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten, auf eine Art und Weise, die nicht nur an den Südosten Europas gebunden ist, sondern zu vielen Orten und Plätzen unserer Welt Bezug hat. Die unterschiedlichen Facetten von Zugehörigkeit spannen einen weiten Bogen: von der Zugehörigkeit zur Familie, zum Heimatland oder der neuen Heimat (als Migrant, Flüchtling oder Asylsuchender), zur Religion oder zur Neudeutung derselben, zur eigenen Sexualität bzw. zum eigenen Gender, und nicht zuletzt zu einer bestimmten und bestimmenden Kultur. Die acht Filme, die dieses Jahr präsentiert werden, untersuchen und diskutieren die subtilen Kämpfe und Kompromisse, die dem Phänomen der Zugehörigkeit innewohnen. Denn Zugehörigkeit schließt von Natur aus einige ein und folglich andere aus. In der heutigen globalisierten Welt, in der immer strengere innere Grenzen gezogen werden – eigentlich eine contradictio in adiecto, ist die Dialektik der Gleichzeitigkeit von  Inklusion und Exklusion ein unumgängliches Thema.

Marija Katalinić, Balkan Film Week Kuratorin

Presse

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24. Juni, Pressemeldung Starke Stimmen aus Südosteuropa 01. Juni, Pressemappe Common Ground 21. April, Pressemeldung Literarisches Frühstück 3. März, Pressemeldung nach Absage der Leipziger Buchmesse 18. Februar, Pressemeldung Common Ground 14. Februar, Pressemeldung Balkan Film Week Pressemappe Common Ground Pressebilder Anmeldung Presse-Newsletter