Satz, Land, Fluss
Literarische Strömungen in Südosteuropa
19.-22. März 2026 | Leipziger Buchmesse
#lbm26 #traduki #satzlandfluss
19.-22. März 2026 | Leipziger Buchmesse
#lbm26 #traduki #satzlandfluss
Die Leipziger Buchmesse 2026 findet vom 19. bis 22. März statt.
Dazu wird es von TRADUKI spannende Begegnungen mit Autor:innen und Balkankenner:innen geben: auf der Leipziger Buchmesse und im UT Connewitz. Unverändert findet die schon traditionelle Balkan Film Week in den Wochen vor der Buchmesse statt.
TRADUKI heißt seine Mitstreiter:innen, Partner:innen, Förderer:innen, Autor:innen, Übersetzer:innen herzlich willkommen!
Der Essay des bosnischen Autors und Literaturkritikers Mirnes Sokolović bezieht sich natürlich auf Adornos berühmtes Dictum: ”Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch“. Poesie nach Srebrenica? Wie lässt sich dichten, wenn die Sprache zerrüttet und korrumpiert, das Grauen unaussprechlich ist, Intellektualität die Barbarei nicht nur nicht verhindert, sondern befördert hat? Srebrenica, der Name der Stadt im Osten von Bosnien-Herzegowina, ist untrennbar mit den dort verübten Verbrechen verknüpft. In der Nr. 250 der Zeitschrift „Manuskripte“ kommen literarische und essayistische Stimmen von außen und innen zu Wort. Die Texte wagen den Versuch einer adäquaten Darstellung und Aufarbeitung von Ereignissen, die bis heute vor allem eines hervorrufen: Sprachlosigkeit.
Der rumänisch-ungarische Autor András Visky hat mit seinem poetisch durchgeformten Roman für grosses Aufsehen gesorgt. Lange ist nicht so eindringlich, hellsichtig, lakonisch, ‘kindlich’ über das Leiden Vertriebener geschrieben worden. Die Literaturkritik fühlte sich an den «Roman eines Schicksallosen» erinnert. Eine Mutter durchleidet mit ihren sieben Kindern jahrelange Zwangsarbeit unter Ceaușescus Regime, nachdem der Vater zu 22 Jahren Zwangsarbeit verurteilt worden ist. Die bulgarische Autorin Justine Toms spannt den Bogen vom Völkermord an den Armeniern, dem das Mädchen Ustine nur knapp entkommt. Ihre Lebens- und Liebensreise führt sie von Paris nach Bulgarien. Doch der zweite Weltkrieg zerstört alle Zukunftspläne und auf sie warten Entbehrungen und sozialistische Arbeitslager. Gemeinsam ist den Romanen, der unerschütterliche Glaube an eine bessere Zukunft und die Kraft der Liebe.
Mitveranstalter: Ministerium für Kultur Rumänien
Wir stellen ein einzigartiges Literaturstipendienprogramm vor, das sich dem Potential des Schwarzmeerraums verschrieben hat. Zwei seiner prominentesten Stipendiaten sind in Leipzig: der rumänische Schriftsteller Dan Coman und der bulgarische Übersetzer Stilyan Deyanov. Sie geben einen Einblick in ihre Arbeit im TANDEM, in die Übersetzung und in den inspirierenden Kontext, den das NEC mit seinen Fellows aus aller Welt bietet.
Die Veranstaltung findet auf Englisch statt.
Mitveranstalter: S. Fischer Stiftung
Zwei kroatische Autoren unterschiedlicher Generationen begegnen sich heuer an der Leipziger Buchmesse. Der kroatische Altmeister Slobodan Šnajder stellt sein lang erwartetes Buch «Engel des Verschwindens» vor, in dem ein Zagreber Mietshaus – es hat zwischen 1941 und 1991 so einiges gesehen – zur Erzählfigur wird. Marko Gregur fängt mit seinem biografischen Roman über den tschechischen Verleger – er war der Verleger des großen jugoslawischen und kroatischen Autors Miroslav Krležas – die Zwischenkriegszeit ein, erzählt von (zu) hohen Erwartungen, gebrochenen Versprechen, Opportunismus aber auch von Mut und Zivilcourage.
Mitveranstalter: Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien, Zsolnay Verlag
Vielleicht ist Iulian Ciocan ein begnadeter Hellseher – ein großer Satiriker ist er auf jeden Fall! Als Putin 2014 die Krim besetzte, schrieb der moldawische Autor gerade an seinem Roman »Am Morgen kommen die Russen«. Hier versucht ein junger Moldawier seinen dystopischen Roman über eine russische Invasion zu veröffentlichen. Dystopie? Bissig und in absurden Wendungen entlarvt Ciocan die postsowjetische moldawische Gesellschaft. Auch der serbische Autor, Kolumnist und Aktivist Marko Vidojković kämpft mit bitterbösem Humor gegen ein Regime, das die Zerreißprobe mit der eigenen Bevölkerung sucht. Helfen angesichts der Tatsache, dass die Fiktion von der Realität überholt wird, nur noch Humor und Satire?
Mitveranstalter: Ministerium für Kultur Rumänien, Bundeszentrale für politische Bildung
Dieses Roadmovie führt durch Nachkriegsbosnien. Man trifft dabei auf Menschen, die – oft arbeitslos und ohne Perspektiven – versuchen, ihren Alltag zu meistern. Eine Beerdigung auf dem Land gerät zum Fiasko; eine heillos zerrüttete Großfamilie versucht, Traditionen und vor der Dorfgemeinschaft den Schein zu wahren. Mit dieser rasant erzählten Geschichte gelingt Slađana Nina Perković, ein großartiges Romandebüt, abgründig, komisch und mit viel schwarzem Humor.
Nationalbibliotheken sind, das steckt auch in der Bezeichnung, irgendwie immer auch politisch. Besonders deutlich wird dies in den südosteuropäischen Ländern, in denen nationale Fragen umkämpft waren und sind. Die Diskussion nimmt die National- und Universitätsbibliothek von Bosnien und Herzegowina sowie die Nationalbibliothek des Kosovo „Pjetër Bogdani“ in den Blick. Beide wurden Ende des Zweiten Weltkriegs gegründet und in den Jugoslawienkriegen der 1990er Jahre stark in Mitleidenschaft gezogen. Die Nachkriegszeit brachte zahlreiche neue Herausforderungen. Welche Funktion erfüllen die Bibliotheken heute und welche Zukunftsperspektiven haben sie? Was steht auf dem Spiel, wenn eine Nationalbibliothek – wie die bosnische in den letzten Jahren mehrmals – schließen muss? Wie können die Bibliotheken in diesen von Konflikten geprägten Staaten zu Versöhnung und einer Stärkung der Zivilgesellschaft beitragen?
Mitveranstalter: ABDOS, Nationalbibliothek Kosovo
Michael Martens, Dejan Atanacković, Anastazija Govedarica Antanasijević
Es sind die größten Studentenproteste in der jüngeren serbischen Geschichte. Deren Ausgang ist noch ungewiss: Zu sehr überschlagen sich die Ereignisse, zu unübersichtlich sind die Machtverhältnisse und Einflusssphären, zu fragil die Sicherheitslage. Im Gespräch mit Beteiligten und Beobachtern sortieren wir die aktuelle Lage und die Perspektiven in diesem Land, wo das Regime die Zerreißprobe mit der Bevölkerung sucht.
Mitveranstalter: Bundeszentrale für politische Bildung
Von Rumänien nach Deutschland, vom sozialistischen Regime in die bundesrepublikanische Gegenwart, von der familiären Erinnerung zur sprachlichen Selbstvergewisserung: Betty Boras’ Das schönste aller Leben und Jehona Kicajs ë erzählen von einer Gegenwart, die untrennbar mit den Bruchlinien der Vergangenheit verwoben ist. Wir begegnen zwei unterschiedlichen literarischen Strategien, um Migrationserfahrung in Gegenwartsliteratur zu fassen: als epische Familiengeschichte einerseits, als sprachlich verdichtete Erinnerungspoetik andererseits. Gemeinsam ist ihnen die Überzeugung, dass Identität nicht statisch ist, sondern im Spannungsfeld von Geschichte, Sprache und persönlicher Erfahrung immer wieder neu ausgehandelt wird.
Mitveranstalter: hanserblau
Die kleinen Dinge des Alltags, die das Leben prägen und erträglich machen, stehen im Mittelpunkt der Gedichte von Robert Șerban und Ana Svetel. Aber der Rumäne Robert Șerban kratzt an der Oberfläche der Dinge, die sich oft als mehrdeutig herausstellen, entlarvt das beschauliche Trugbild und eröffnet in seinem zweisprachigen Band Techniken der Tarnung/Tehnici de camuflaj (Ü: Edith Konradt, Pop Verlag 2025) den Lesenden ein melancholisches Weltbild. Ihm gleich tut es die Slowenin Ana Svetel, die mit ihren Gedichten wie aus Marmor gemeißelte Momentaufnahmen formt, um so die Widersprüche der Welt festzuhalten – aber die Oberfläche des Gesteins reflektiert dennoch auch Licht.
Mitveranstalter: Slowenische Buchagentur, Ministerium für Kultur Rumänien
Wie weiterleben nach einer Kriegs-Katastrophe? Gibt es eine (oder mehrere?) Kultur(en) des Gedenkens? Was, wenn individuelles und kollektives Erinnern politisch vereinnahmt werden oder Erinnern zum Akt des Widerstands selbst wird? Welche (Aus)-Wege kann die Literatur bieten, wenn die Zeitzeugen weniger werden, wenn die sozialen Medien geflutet werden von KI-generierten Holocaust-Bildern oder revisionistische Narrative eine nie dagewesene Vergangenheit erschaffen?
Mitveranstalter: Zsolnay Verlag
Die kroatische Autorin Ena Katarina Haler und die in Wien lebende serbische Autorin Maja Iskra zeichnen starke Frauengeschichten über mutige Mädchen, Provokateurinnen und junge Frauen, die sich gegen Pauschalisierungen und Klischees behaupten. In unterschiedlichen Milieus verhandeln sie Class Issues, Ungerechtigkeit und Solidarität – mit großer Erzählkunst, sprachlicher Präzision. Halers Roman führt in einen von Nachkrieg, Gewalt und Schweigen geprägten Grenzraum, in dem Kinder die Schuld abwesender Väter tragen und Fragen von Recht und Unrecht existenziell werden. Iskra hingegen erzählt von Selbstermächtigung, körperlicher wie sozialer Grenzerfahrung und dem Kampf um Würde. So entstehen zwei literarisch hochkompetente, vielschichtige Werke über Herkunft, Verantwortung und die Kraft, sich der eigenen Geschichte entgegenzustellen.
Mitveranstalter: Folio Verlag, Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien
Literatur lebt von der Sprache – eine Binsenwahrheit. Doch was geschieht, wenn Autor*innen sich in ihren Texten nicht nur einer, sondern mehrerer Sprachen oder Sprachvarietäten bedienen? Wenn Dialekt – normalerweise wird er in der Schweiz und in Liechtenstein nur gesprochen – schwarz auf weiß gedruckt wird, nur um dann wieder als spoken Word-Literatur auf die Bühne zu finden? Sprache ist politisch – eine andere Binsenwahrheit. Jüngstes Beispiel: das bildungspolitisch hochumstrittene Frühfranzösisch in der Schweiz. Doch niemand weiß mehr von der identitätsstiftenden aber auch der trennenden Kraft der Sprache zu erzählen als die Menschen des früheren Jugoslawiens, wo einst das Serbokroatische erfunden wurde. Wie im Leben so in der Literatur?
Mitveranstalter: Kulturstiftung Liechtenstein, Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia, Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien
Drei großartige Autorinnen aus Rumänien, Moldawien und dem früheren Jugoslawien präsentieren ihre neuen Bücher. Darunter das Romandebüt einer Theaterfrau, dasjenige einer Lyrikerin und Schmuckdesignerin: Es ist an Frankreichs Schulen offiziell zur Lektüre empfohlen, und der lang erwartete neue Roman «Stimmen auf Abstand» der Grande Dame der rumänischen Literatur Gabriela Adameșteanu.
Mitveranstalter: Ministerium für Kultur Rumäniens
Der renommierte serbische Comiczeichner Aleksandar Zograf nimmt uns mit in die düsteren 90er Jahre Belgrads, wo der Alltag oft ins Absurde abdriftet. Gemeinsam mit dem in Belgrad geborenen und in Wien lebenden Autor Marko Dinić untersucht er die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen jener Zeit und der heutigen Situation, die bei aller Tragik einer gewissen Absurdität auch nicht entbehrt.
Sampas ist ein Road-Poem. Sampas ist ein Roman. Sampas ist Musik. Von der ersten bis zur letzten Seite dieses Buches, von der Insel Ada Bojana über die Bucht von Boka Kotorska bis in die Hauptstadt Podgorica, lässt Ilija Ðurović Bilder eines ganzen Lebens vor uns entstehen. Der Kontext des heutigen Montenegro, des zerstückelten Jugoslawiens, ja des Balkans insgesamt, liefert das Setting. Und nicht zuletzt ist Sampas ein Buch über die Liebe zum Leben, trotz allem.
Was bleibt am Ende vom Anfang einer Liebe? Einer Ehe? Die eine, Lada Lončar, bestreitet es gar nicht erst: «Du hast deinen Ehemann getötet!» und sitzt dafür im Gefängnis. Opfer und Täterin zugleich findet sie das „sichere Haus“ erst hier, unter Verbrecherinnen und Mörderinnen, und nicht in der bürgerlichen Ehe, die sich als Horrorkabinett entpuppt hatte: Die kroatische Autorin Marina Vujčić hält schonungslos drauf. Auch die nordmazedonische Autorin Frosina Parmakovska entlarvt das häusliche Idyll als geprägt von patriarchalen Strukturen, (Selbst)-Zerstörung und Schweigen. Parmakovska setzt der Logik der Vernichtung die weibliche Kraft des Anfangs entgegen.
Mitveranstalter: Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien
Schon traditionell nimmt das Netzwerk TRADUKI die Gäste im UT Connewitz mit auf eine ganz besondere nächtliche Reise – kreuz und quer durch den Balkan. Präsentiert und gefeiert wird die vielstimmige Literatur Südosteuropas. Für die Party danach sorgt heuer die slowenische Rapperin Masayah, bekannt für ihre energiegeladene Bühnenpräsenz.
Das Konzert findet mit Unterstützung von SKICA Berlin statt.
Mitveranstalter: Slowenisches Kulturzentrum Berlin / SKICA Berlin, Ministerium für Kultur und Medien der Republik Kroatien, Ministerium für Kultur Rumäniens
Auch am Sonntag, wo es keine Veranstaltungen auf unserer Bühne geben wird, laden wir das Leipziger Publikum herzlich dazu ein, an unserem Stand vorbeizuschauen. Es gibt immer etwas zu entdecken!
Für den Titel des TRADUKI-Programms auf der Leipziger Buchmesse 2026 haben wir uns vom diesjährigen Fokusthema „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“ inspirieren lassen, denn TRADUKI organisiert vier Veranstaltungen im Rahmen dieses Projektes. Aber auch bei den anderen TRADUKI-Veranstaltungen stellen wir aktuelle literarische Strömungen in Südosteurop…








































