Krieg, Balkanroute, Migration, Flucht – mit diesen Begriffen haben sich die Deutschen in den letzten Monaten auf unerwartete Weise auseinandersetzen müssen. Sie sind ihnen auf den Leib gerückt.

Vielen Südosteuropäern sind die Themen Flucht, Migration und Heimat aus jüngster Geschichte sehr vertraut. Sie haben ihr Leben geprägt. Die Welt betrachten die Südosteuropäer durch diese Erfahrungen. Heimat ist zu einem unbeständigen und unsicheren Ort geworden. Die Geschichte Südosteuropas war in den letzten 30 Jahren sehr bewegt – Schauplatz einer blutigen Trennung, das Ende von totalitären Systemen, Anbruch neuer Zeiten und für viele der Länder auch ein Neuanfang in einer neuen Gesellschaft und einem neuen System, der Europäischen Union. Die Welt, wie man sie kannte, hatte sich von Grund auf verändert.

Teile dieser gesellschaftlichen Veränderungen, aus der Vergangenheit, aber auch aus der Gegenwart, spiegeln sich in der Literatur wider.

Das Literaturnetzwerk Traduki will die ganze Vielefalt südosteuropäischer Literatur darstellen – unter anderem auf der Leipziger Buchmesse. Schon zum achten Mal ist Traduki bei der Buchmesse mit seinen Veranstaltungen präsent.

Deutschland, Österreich und die Schweiz haben das Netzwerk ins Leben gerufen mit dem Gedanken, den kulturellen und literarischen Austausch zwischen den deutschsprachigen Ländern und dem Südosten Europas zu intensivieren und den literarischen Dialog zwischen den südosteuropäischen Ländern zu fördern.

Die Initiative kam 2008 aus dem deutschsprachigen Raum, von Jahr zu Jahr wuchs seitdem die Zahl der Partnerländer. Der erste südosteuropäische Partner war 2009 Slowenien, ihm folgte 2011 Kroatien, 2014 wurden Albanien und Serbien in der bereits großen Familie des Netzwerks willkommen geheißen, im April 2015 kam Rumänien hinzu. Seit 2013 ist das Fürstentum Liechtenstein, als viertes deutschsprachiges Land, ebenfalls ein Partner von Traduki.

Zusätzlich zu den bislang 770 geförderten Buchtiteln und vielen Veranstaltungen in Südosteuropa, in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland initiierte Traduki bereits 2009, gemeinsam mit lokalen Partnern, Writer-in-Residence-Programme in Belgrad, Prishtina, Sarajevo, Skopje, Split, Tirana und Novo Mesto.

In diesem Jahr stellt sich, bei der diesjährigen Leipziger Buchmesse, Traduki mit 20 Veranstaltungen dem interessierten Leipziger Publikum vor.

In unserem diesjährigen Auftritt stellen wir eine große Zahl an neuerschienenen übersetzten Büchern südosteuropäischer Autoren vor. Aber nicht nur das: In Leipzig treffen die Autoren auf ihre deutsch sprachigen Kollegen, Journalisten und Literatur – kritiker oder es entstehen neue Bekanntschaften mit ihren südost europäischen Kollegen. Dafür sprechen manche Allianzen aus der Vergangen heit und davon zeugen Projekte, die nach Begegnungen in Leipzig stattfinden konnten.

Wir freuen uns über viele neue Partner beim diesjährigen Auftritt, das Forum slawischer Kulturen, die Südosteuropa Gesellschaft, das Institut für Philosophie und Sozialtheorie Belgrad, Verlags – häuser und Literaturzeitschriften, und über die Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt, im Rahmen der OSCE-Präsidentschaft Deutschlands im Jahr 2016, die im Zeichen des Dialogs steht.